Kathrin Höppner: „Wir wissen mittlerweile ganz gut, was Quanten-Startups brauchen.“

31. August 2026

Wir haben Zuwachs bekommen: In unserem neuen Technikum 6 am Innovationszentrum Ulm können Startups nun in über einem Dutzend brandneuer Labore an Quantentechnologien arbeiten. Kathrin Höppner begleitet als Managerin den Aufbau des Innovationszentrums Ulm seit Anfang an. Im Gespräch erzählt sie, warum das Technikum 6 – unsere neue 600-Quadratmeter-Laborlandschaft – weit mehr als ein reiner Neubau ist und weshalb sie bei der Planung vor allem eines gelernt hat: konsequent Fragen zu stellen.


Das Technikum 6 ist fertiggestellt. Was macht diesen Ort für Dich so besonders?

Wenn ich den Bereich betrete, fühlt es sich fast so an wie eine andere Welt. Es ist eine komplett neue Laborlandschaft und genau die Infrastruktur, die moderne Quantenforschung benötigt: Optische Labore mit Laserschutz, Temperaturstabilität und Anschlüssen für Stickstoff, Argon, Druckluft und Prozesskühlwasser. Sie ergänzen ideal unsere bereits modernisierte Bestandsinfrastruktur. Da gibt es schon eine Elektronikwerkstatt, eine mechanische Werkstatt und ein Chemielabor, ausgerüstet unter anderem mit 3D-Drucker, Löt-Arbeitsplätzen, Ultraschallbad, Standbohrmaschine und Kreissäge. Die Firmen können alles nutzen, während wir uns um Instandhaltung, Wartung und Sicherheit kümmern. Das Besondere am Technikum 6 ist, dass wir die Labore bewusst flexibel geplant haben. Es ging darum, beide Seiten zu bedienen: unsere etablierten Auftragnehmer ebenso wie neue Startups, die wir heute noch gar nicht kennen.

So eine Laborlandschaft entsteht nicht über Nacht. Wie hat dieser Weg begonnen?

Mit einer sehr steilen Lernkurve. Ich bin von Haus aus Atmosphärenforscherin, deshalb musste ich mich in viele neue Themen intensiv einarbeiten. Unser Gebäude war früher Teil des Daimler-Forschungszentrums und wir haben die vorhandenen Strukturen in den letzten Jahren Schritt für Schritt an unsere Anforderungen angepasst und saniert. Gemeinsam mit einem Kollegen aus dem Institut für Quantentechnologien habe ich diesen ersten Prozess begleitet. Diese Erfahrungen sind direkt in die Planung des Technikum 6 eingeflossen. Natürlich waren wir dabei nicht allein: Das DLR-Baumanagement, Architekt:innen und erfahrene Fachplaner:innen haben mit ihrer Expertise wesentlich dazu beigetragen. Und natürlich konnten wir auf den vielen Erfahrungen mit unseren bestehenden Laboren aufbauen. Wir wissen mittlerweile ganz gut, was Quanten-Startups brauchen.



Was war Deine wichtigste Erkenntnis daraus?

Fragen, fragen, fragen und immer wieder nachfragen! In einem so komplexen Feld wie der Konstruktion von optischen Laboren ist es entscheidend, genau zu kommunizieren, denn es gibt immer technische und bauliche Grenzen. Ich habe gelernt, dass es völlig in Ordnung ist zu sagen „Ich weiß es nicht. Erklären Sie es mir.“ Diese Haltung hat auch die Zusammenarbeit mit den Unternehmen verändert. Gerade bei komplexen Projekten entstehen schnell unterschiedliche Erwartungen. Heute sprechen wir Dinge sehr klar an: Das können wir anbieten. Diese Klarheit verhindert Missverständnisse und ermöglicht gute gemeinsame Lösungen.


Mit dem Technikum 6 verfolgt die DLR QCI doch ein größeres Ziel. Welches?

Wir haben in den letzten Jahren viel bewegt und aufgebaut. Aber Quanten-Startups haben einen wirklich großen Bedarf an Infrastrukturen. Das ist ein ganz entscheidender Faktor für deren Entwicklung! Dazu braucht es aber nicht nur hochwertige Labore, sondern auch Büroflächen, Besprechungsräume und Treffpunkte für die Teams. Genau das ist die Idee unseres Innovationszentrums: kurze Wege und zufällige Begegnungen, aus denen neue Ideen und Kooperationen entstehen. Unser Ziel ist, das Innovationszentrum zu einem noch stärkeren und noch lebendigeren Startup-Hub für Quantentechnologien weiterzuentwickeln.



Wie hat sich die Atmosphäre am Standort durch das Wachstum verändert?

Am Anfang waren die Unternehmen noch deutlich kleiner, da kannte ich fast alle Mitarbeitenden persönlich. Es war wie eine große Wohngemeinschaft. Heute ist der Standort größer und professioneller. Aber das Gemeinschaftsgefühl ist trotzdem geblieben! Wenn Unternehmen zu uns kommen und sagen „Toll, dass das wieder funktioniert hat“ oder „Danke, dass das Problem so schnell gelöst wurde“, spüre ich sofort wieder diese besondere Aufbruchsstimmung. Das vergisst man im Alltag manchmal: Wir entwickeln nicht selbst Quantencomputer, schaffen aber die wichtigen Voraussetzungen dafür, dass andere daran arbeiten können. Deswegen ist es umso wichtiger, sich immer wieder bewusst zu machen, woran wir hier eigentlich mitwirken.


Du hast den Standort von Anfang an begleitet. Was geht Dir durch den Kopf, wenn Du heute durch die neuen Labore gehst?

Wenn wir Besuchergruppen durch den Standort führen oder neuen Mitarbeitenden erzählen, wie sich alles entwickelt hat, wird mir wieder bewusst: Es ist wirklich beeindruckend, was wir in den vergangenen Jahren gemeinsam geschaffen haben. Diese Räume, Büros und Labore stehen für eine Umgebung, in der Forschung möglich wird und Unternehmen wachsen können. Ich finde nicht, dass man sich ständig selbst auf die Schulter klopfen sollte. Aber manchmal ist es schön, wenn jemand von außen sagt: „Hier ist wirklich etwas entstanden.“


Was wünschst Du Dir für die nächsten Jahre?

Natürlich freue ich mich auf starkes Wachstum: Dass weitere Unternehmen hinzukommen, dass das Innovationszentrum sich weiterentwickelt und wir den eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzen können. Mit dem Technikum 6 haben wir die baulichen Voraussetzungen dafür geschaffen. Jetzt freue ich mich vor allem darauf, dass die Labore mit Leben gefüllt werden. Dass neue Ideen entstehen, Unternehmen hier wachsen und wir unseren Beitrag leisten können, Ulm als wichtigen Standort für Quantentechnologien weiter zu stärken. Das ist für mich der schönste Erfolg.