Mit der Hightech Agenda Deutschland hat das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt klar gemacht, in welche Richtung sich das Quantencomputing-Ökosystem in Deutschland entwickeln muss. Als DLR QCI mit zwei Innovationszentren, 17 Hardware-Projekten, 65 industrierelevanten Use-Case-Projekten und über 100 eingebundenen Akteuren und einer erfolgreichen Community-Konferenz haben wir einen einzigartigen Einblick in den Status Quo Quantencomputing-Ökosystem. Nach dem AFQC 2025 haben wir Robert Axmann, den Leiter der DLR QCI, gefragt, wie es ihm zufolge mit dem Ökosystem weitergehen muss.
Robert, was ist Deine AFQC-Schlussfolgerung?
Die Entwicklung von Technologien ist wichtig, aber wir brauchen auch die Rahmenbedingungen, damit sie funktionieren. Konkret brauchen wir eine verlässliche Finanzierung, eine überschaubare Verwaltung und Vertrauen in ihren Nutzen. Genau hier müssen wir – und eine wirksame Finanzierungspolitik – ansetzen.
Es ist viel Geld vorhanden: Allein Deutschland hat in den letzten Jahren zwei Milliarden Euro in das Quantencomputing investiert!
Das hat eine echte globale Wirkung gehabt. Was wir jetzt aber brauchen, sind langfristige Roadmaps statt kurzfristiger Finanzierung und flexiblere Finanzierungslogiken, damit die Akteure verlässlich planen, investieren und letztlich auch liefern können.
In den AFQC-Workshops kam immer wieder das Thema „Nützlichkeitsnachweis“ zur Sprache. Haben wir eine Vertrauenskrise?
Nein, das ist vor allem ein Zeichen dafür, dass sich die Wahrnehmungen geändert haben. Technologisch haben wir enorme Fortschritte gemacht. Wir wissen, dass Quantum funktionieren kann. Was wir jetzt brauchen, ist, dass die Nachfrageseite aufwacht. Und hier müssen wir weitere Fortschritte machen, mit echten Anwendungsfällen und Fallstudien, die die Nachfrage nach Quantencomputer-Ressourcen erhöhen und das Ökosystem langfristig stärken.
Was bedeutet das konkret?
Unsere AFQC-Teilnehmer:innen waren da ganz klar: Kurzzyklische Fallstudien und Proofs of Concept, Validierung durch Endkunden, klar kommunizierte Erfolgsgeschichten und einfacher Zugang zu Hardware und Plattformen. Dieser Ansatz hilft uns, die Nützlichkeit nicht nur zu behaupten, sondern auch in der Praxis zu beweisen. Aber eines ist klar: Der Weg von der Grundlagenforschung zur Anwendung bleibt steinig und steil.
Jemand hat gesagt, dass wir uns von Technologie Push zu Market Pull entwickeln sollten. Wie sieht es mit den Rahmenbedingungen aus?
Ich bin nicht der Einzige, der sofort an Bürokratie denkt. Einige Teilnehmer sagten, dass administrative Fragmentierung und Overhead viel Zeit, Geld und sogar Glaubwürdigkeit kosten. Jeder, der an staatlichen Programmen teilnimmt – und das gilt für den gesamten Quantenbereich, von Forschungsgruppen bis zu Quantenabteilungen in Industrieunternehmen – kennt das. Es gibt auch eine starke Nachfrage nach weniger Formalitäten, weniger Berichten und kürzeren Ausschreibungsphasen. Mit der DLR QCI haben wir den Prozess bereits deutlich beschleunigt, aber es gibt natürlich noch viel zu tun.
Wir könnten sofortige Fortschritte erzielen, indem wir das Ökosystem besser integrieren: Forschung, Startups und Industrie zusammenbringen, gemeinsame Standards und gemeinsame Sprachen entwickeln und Werkzeuge für die Integration des Ökosystems schaffen. Auf dem AFQC wurden zum Beispiel Plattformen, Vermittlungsdienste und ein wirklich interdisziplinärer, internationaler Talentpool erwähnt. Dadurch werden Reibungsverluste verringert und die Geschwindigkeit erhöht.
Wir sprechen auch intern oft über diese Art der Zusammenarbeit. Aus den Rückmeldungen des AFQC weiß ich, dass dies ein gemeinsamer Wunsch vieler Teilnehmer:innen ist, dass es aber in der Wettbewerbspraxis schwierig ist.
Das habe ich auch gemerkt. Von Menschen, die in direktem Wettbewerb zueinander stehen – oder die sehr vorsichtig mit ihrem geistigen Eigentum umgehen müssen – wird erwartet, dass sie eng zusammenarbeiten. Dadurch entstehen Wissenssilos, manchmal mit erheblichen Überschneidungen, die dann miteinander um knappe Ressourcen konkurrieren. Es ist gerade jetzt enorm wichtig, dass wir diese konkurrierenden Ansätze schneller in skalierbare, marktrelevante Lösungen umsetzen. Auch hier kann eine verlässliche und langfristige staatliche Förderung einiges möglich machen. Kooperation trotz Konkurrenz ist schwierig, aber absolut notwendig.


