Spannend ist der Aufbau des Innovationszentrums und seine Ausstattung, herausfordernd war die Umsetzung, und schön ist die Atmosphäre. Mit solchen Adjektiven umreißt Alain Pierrot, der Manager unseres Innovationszentrums Hamburg seinen Arbeitsort, beziehungsweise, wenn man ganz ehrlich ist: sein Werk. Für Kathrin Höppner, Managerin des Innovationszentrums Ulm, geht es eine Spur nüchterner, aber mit nicht weniger Wirkung. Die enorme Aufgabe, einen Kristallisationspunkt für das Quantencomputing-Ökosystem, ein Vehikel für die schnelle Industrialisierung des Quantencomputings, ja wirklich, das pochende Herz der DLR QCI beschreibt sie funktional: „Hier beherbergen wir sieben Startups und stellen diesen Fremdfirmen Büros und Labore zur Verfügung“, sagt sie. „Mit meinem kleinen Team bin ich dafür verantwortlich, dass die Startups vor Ort alles vorfinden, was sie brauchen, um ihre Aufträge erfüllen zu können.“
Das alles vorfinden ist das Schlüsselwort! In Kathrins Fall heißt das: 2.960 Quadratmeter hochmoderne Laserlabore, vier Stockwerke und ein – nur Technikum 6 genannter – enormer Hightech-Keller voller Quantencomputing und eine endlose Flut an spannenden, herausfordernden und schönen Aufgaben, die im IZ-Betrieb anfallen. Bei Alain: 1.640 Quadratmeter inklusive Reinraum, fünf Laserlabore und ein halbes Standbein beim DESY. Um das Offensichtliche vorwegzunehmen: Als Manager:in eines Innovationszentrums geht die Arbeit vor Inbetriebnahme und währenddessen und überhaupt nie aus. Sie schaffen das ideale Umfeld für die Entwicklung von Hochtechnologie am Sprung von der Grundlagenforschung in die Anwendung.
Zwei Jahre bis zur Startlinie

Die Innovationszentren erfüllen eine wichtige Aufgabe für uns: Sie sind die Orte, an denen das theoretische Konstrukt der DLR QCI – Technologietransfer, Industrialisierung von Quantencomputing, Coworking und Collocation, Community und Ökosystem – konkrete Form annimmt. Das bedarf sorgfältiger Planung.
Von den ersten Zeichnungen bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Labore an die Startups übergeben wurden, sind zweieinhalb Jahre vergangen, erzählt Alain. In Ulm war es ähnlich. Eigentlich viel zu wenig Zeit – und eine riesige Herausforderung. „Deshalb war der Einzug der ersten Firmen auch so ein wichtiger Meilenstein.“
Unser Konzept eines Innovationszentrum setzt auf zwei komplementäre Funktionen: Sie sind physische Orte, an denen echte Menschen an echten Maschinen echte Ideen verwirklichen. Dafür braucht es Labore, Reinräume, Werkstätten, Büros und Coworking-Spaces. Aber sie haben auch einen symbolischen Charakter: Sie sind Leuchttürme für eine Zukunftstechnologie, Treffpunkte für interessante Köpfe mit spannenden Ideen, Ankerpunkte und kommunikative Orte für die lokalen Ökosysteme – und natürlich das Keimbett eines neuen, starken Ökosystems, das souveränes, wettbewerbsfähiges Quantencomputing aus Deutschland und Europa ermöglicht. Für all das braucht es physischen Platz. Aber noch viel mehr braucht es ein Selbstverständnis, einen fruchtbaren Boden, aus dem Community erwachsen kann.
So viel wie nirgendwo
Die Besonderheit der beiden Standorte liegt in dem vollständigen Ökosystem aus Entwicklung, Herstellung und Betrieb von Quantencomputern, das sie abbilden und ansprechen.
Im Innovationszentrum Hamburg steht die Herstellung von Chips für Ionenfallen im Mittelpunkt. Im Reinraum fertigen die Startups – unter Einweisung des Teams vom DLR-Institut für Quantentechnologien, Abteilung Integration von Mikro- und Nanosystemen – die Chips, die sie direkt nebenan im Laserlabor in ihre Quantencomputer einsetzen. Alain: „Diese Zusammenführung beider Facilitys unter einem Dach ist meines Wissens nach ein Alleinstellungsmerkmal.“
Das Innovationszentrum Ulm setzt auf ein einzigartig-vielfältiges Ökosystem unterschiedlicher Quantentechnologien. Hier entwickelten wir gezielt das NV-Zentren-Ökosystem mit Quantencomputern und den notwendigen Enabling-Technologien, im selben Gebäude sitzen die DLR-Institute für Quantentechnologien (samt ihrer Labore), für KI-Sicherheit und für Technische Thermodynamik. Und zu den sieben über DLR-Aufträge angesiedelten Startups können weitere Firmen über eine direkte Raum- und Laborvermietung an das entstandene Ökosystem andocken. So viel Forschung, Startups und Industrie, Angebot und Anwendung von Quantencomputern gibt es sonst nirgendwo an einem Ort.
In der Praxis: voll stressig

Viele Startups unter einem Dach heißt auch: viel Konkurrenz unter einem Dach. „Es gibt tatsächlich eine kleine Hemmung bei den Startups, die darin besteht, dass jeder seine eigenen Geheimzutaten behalten möchte und dass alle ihren Auftrag haben, auf den sie sich konzentrieren“, sagt Alain. „Nichtsdestotrotz sind die Akteure, die wir hier zusammenbringen, ziemlich offen für den konstruktiven Austausch, für Anregungen, für Unterstützung und Rückfragen aller Art. Und deswegen ist das Miteinander tatsächlich sehr angenehm und kollegial, auch mit unterschiedlichen Akteuren.“
Besser geht es natürlich immer. Dafür sorgen Alain und Kathrin samt Teams mit Community-Aktivitäten: In Ulm gibt es den monatlichen Quanten-Kaffee – Kaffee, Kekse, kurze Vorträge. In Hamburg ist die Lounge der zentrale Ort, um zusammenzukommen und bei gutem Kaffee den nächsten Quantensprung zu planen. Oder sich von jemandem, der:die sich auskennt, sagen zu lassen, dass Quantensprünge äußerst kleine, um nicht zu sagen die kleinstmöglichen Sprünge sind und sich deswegen als Metapher eher schlecht beziehungsweise nur entgegen der eigentlich angenommenen Intention nutzen lassen und so weiter und so fort. Neben einer Kaffeemaschine gibt es natürlich auch Tee – und deutlich weniger nerdige Gespräche.
Innovationszentren innovieren
Die Entwicklung und Umsetzung von Quantentechnologien ist eine enorme Herausforderung für Forschung, Startups, Industrie und den öffentlichen Sektor. Sie müssen am Rand des Denkbaren forschen, am Rand des Möglichen entwickeln und am Rand des Vorhandenen nützlich werden. Alles am Rand, alles auf die Mitte des Zentrums gerichtet. Die Aufgabe von Kathrin und Alain ist es, Infrastrukturen zu schaffen, damit das schnell, effizient und gezielt passiert: indem aus einer Möglichkeit eine Realität wird, die uns alle betrifft – und garantiert spannend, herausfordernd und schön sein wird.







